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Siberian Husky

Der Siberian Husky

von Gabriele Blümke (Dezember 2000)
Alle Urheber-und Leistungsschutzrechte sind vorbehalten

Geschichte und Herkunft

Die im Norden des ostsibirischen Gebirgslandes lebenden Paläoasiaten waren alle auf die Hilfe von Schlittenhunden angewiesen. Hundegespanne waren das einzige Transportmittel sowohl für die Nomadenstämme, die den großen Rentierherden auf ihrem Weidezug folgten, als auch für die seßhaften Jäger und Fischer. Es mußten oft hunderte von Kilometern bei großer Kälte zurückgelegt werden. Weder Pferd noch Rentier hätten solche Strecken so schnell und ausdauernd mit vergleichsweise so wenig Futter bewältigen können.

Die in über 3000 Jahren Zucht im östlichen Sibirien hervorgebrachten Eigenschaften waren dahingehend orientiert, daß diese Hunde unter härtesten Bedingungen arbeiten und überleben mußten. Nur gesunde und widerstandsfähige Hunde hatten hier eine Chance. Genügsamkeit, d.h. ein hochoptimierter Stoffwechsel zur bestmöglichen Ausnutzung des vorhandenen (knappen) Nahrungsangebotes, Härte und geringe Schmerzempfindlichkeit, ein leistungsstarkes Herz-Kreislauf-System, ausdauernde Zugarbeit am Schlitten, Disziplin und Arbeitswilligkeit sowie ein ausgeprägtes Sozialverhalten innerhalb des Rudels sind daher einige der rassespezifischen Anlagen eines Siberian Husky.

Anfang dieses Jahrhunderts lockte das Goldfieber viele nach Alaska. So auch den russischen Pelzhändler William Goosak, der 10 seiner aus Nordost-Sibirien stammenden Huskies mitbrachte. Diese waren kleiner und zierlicher als die dort üblichen großen und schweren Schlittenhunde. 1908 fand in Alaska zum ersten Mal ein organisiertes Schlittenhunderennen statt – das "All Alaskan Sweepstake Race", welches von dem gerade ssvn001gegründeten Nome Kennel Club gesponsort wurde. Dieses fand fortan als alljährliche Veranstaltung über 10 Jahre bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges statt und wurde zum Grundstein für die heutigen Schlittenhunderennen. Als Goosak 1909 seine sibirischen Hunde zu diesem großen Rennen anmeldete, erntete er nur mitleidiges Lächeln sowie Spott. Beim Rennen aber zeigte es sich, daß seine kleinen Hunde nicht nur mit der Konkurrenz mithalten konnten, sondern sogar den dritten Rang erzielten. Der Siegeszug der Siberian Huskies war nun nicht mehr aufzuhalten. Charles Fox Maule Ramsay, Neumusher im Sweepstake 1909, importierte zwischen 38 bis 60 Siberians nach Nome und begann sie zu trainieren. Schon ein Jahr später belegten drei seiner Teams den 1., 2. und 4. Rang. Das Sieger-Team wurde vom "Iron Man" John Johnson gefahren, er stellte einen bis heute ungebrochenen Rekord von 74 Std., 14 Min. und 2 Sek. für die 657 km auf. Kein Wunder, daß daraufhin der Import dieser Hunde aus Sibirien gewaltig zunahm.

1914 gewann John Johnson sein zweites SWEEPSTAKE. Zum ersten Mal mit dabei, der legendäre Norweger Leonhard Seppala, der ebenfalls als Goldsucher nach Alaska gekommen war und 1913 begonnen hatte, Sibirische Huskies für die "Pioneer Mining Company" zu trainieren. Diese Company stellte u.a. das Hundeteam für Roald Amundsen‘s Nordpol-Expedition zusammen. 1913 gewann Seppala mit einem Frachtteam sein erstes Schlittenhunderennen, das MOOSE BURDEN HANDICAP, ein 67 km Rennen von Nome nach Port Safety. Das Sweepstake gewann er ab seiner zweiten Teilnahme 3mal in Folge (1915-1917)! Seine Leader waren Russky, ein Import aus Kamtschatka mit gestutztem Schwanz; Scotty, ein schwarz-grauer blauäugiger Siberian und Suggen, ein grauer Siberian-Malamut Mix. Beim Diphterie-Serum-Transport nach Nome 1925 spielte Seppala eine herausragende Rolle, wobei sein alter Leader Togo sehr berühmt wurde.

Leonhard Seppala begann als erster mit der systematischen Zucht des Siberian Husky, wobei er die Rasse etwas vergrößern und im Aussehen einheitlicher gestalten wollte. 1929 bildete er mit Elizabeth Ricker eine Zwingergemeinschaft in Poland Springs. Die Partnerschaft endete, als Seppala 1932 nach Alaska zurückkehrte. Die Hunde des Seppala-Ricker Kennel‘s sind nicht nur die genetische Basis der Seppala-Linie, sondern sie bilden (da die Seppala-Linie einen großen Einfluß auf alle anderen damaligen Kennel hatte) auch den Grundstock aller heutigen Siberians.

1930 wurde der erste Standard des Siberian Husky festgelegt und die Rasse vom American Kennel Club (AKC) anerkannt. Die ersten im AKC registrierten Siberians wurden Anfang der 30er Jahre im Northern Light Kennel von Julien A. Hurley in Fairbanks gezüchtet.

Mitte der fünfziger Jahre kamen die ersten Importe von Siberian Huskies aus den USA nach Mitteleuropa, zuerst in die Schweiz und die Niederlanden, später dann auch nach Deutschland.

Bedeutende Kennel und ihre Erfolge

Der Stamm des Seppala-Ricker Kennels ging an Alex Belford (Belford Kennel, der später von seinem Sohn Charles weitergeführt wurde), an Harry Wheeler, einem Musher aus St. Jovite (Quebec) und Gründer des Seppala Kennels sowie an William Shearer III (Foxstand Kennel), der noch bis 1950 mit diesen Hunden Rennen fuhr. 1936 kauften Marie Lee Frothingham und ihre Tochter Marie "Milli" Turner aus Massachusetts von Harry Wheeler Siberians und gründeten den Cold River Kennel. Der Seppala Kennel wurde 1950 von Don McFaul und C.S. MacLean (Gründer des Gatineau Kennels) mit samt des Namens aufgekauft. Diese Seppala-Kennels führten die Seppala-Zucht kontinuierlich als Racing-Linie fort. McFaul gab dann 1963 seine letzten Hunde an Earl Norris (Alaskan/Anadyr-Kennel) ab. Dies markierte das Ende der Seppala-Kennels, nicht aber das Ende der Seppala-Linie.

1970 begann der kanadische Züchter J. Jeffrey Bragg, Markovo Kennel, mit dem Neuaufbau der Wheeler-McFaul-Zuchtlinie und erzeugte bis 1975 zehn Würfe mit reinen Seppalas. In Amerika machte Gary Egelston, Seppineau und Manahtok Kennel (1970-1982), mit reinen Seppalas aus dem 1955 von Keith u. Jean Bryar gegründeten Bryar-Kennel (Keith Bryar gewann 1965 die Open North American Championchip) ebenfalls zehn Würfe und somit wurde die Seppala-Linie wieder zum Leben erweckt. Die meisten von Braggs Hunden gingen 1975 an Bruce Morrow (Uelen Kennel) nach Britisch Columbia und an Curt Stuckey nach Colorado, der auch die Rechte auf den Namen Markovo bekam. Beide züchteten zwar mit diesen Hunden, arbeiteten aber nicht ernsthaft mit ihnen. Douglas W. Willett, Gründer des Sepp-Alta Kennel, hatte das Glück und erwarb 1975 einen der zwei letzten Hunde von Bragg, eine kleine nur 15 kg schwere Hündin: Xaire of Markovo. Er war begeistert von ihrem Leistungsvermögen sowie ihren Leaderqualitäten und zutiefst unglücklich, daß er sie nicht zur Zucht ssvn006verwenden konnte, da sie aufgrund einer zum falschen Zeitpunkt gesetzten Antiläufigkeitsspritze eine Gebärmutterentzündung bekam. Daher schaute er sich nach ihren Verwandten um. Zuerst in Amerika im Seppineau, Markovo und Uelen Kennel, dann auch in Quebec, Kanada, wo er weitere reine Seppalas, u.a. aus der White Water Lake – Linie von Tony Landry (1946-1965) fand. Mit diesen nahm er die Zucht von arbeitsgetesteten, reinen Seppala Siberians neu auf. Von Stuckey erhielt er den hervorragenden Leader: Ash of Markovo (Vater von Hercules of Sepp-Alta), er wurde einige Jahre lang sein Stammrüde und 1985 an Karsten Grönas (Vargevass Kennel) nach Norwegen verkauft. 1984 machte Willett mit Hercules of Sepp-Alta und Uelen’s Ali seinen N-Wurf, aus dem 8 Welpen hervorgingen (u.a. der Rüde Nutuk of Sepp-Alta, Import nach Deutschland und später nach England). Diese Hunde waren 1988-1991 die Schlüsselhunde im Willett-Team. In der Zeit von 1986-88 plazierte sich Doug Willett regelmäßig auf den ersten drei Plätzen von Mitteldistanz-Rennen und dies gegen starke Konkurrenz, wie Grant Beck, Tim White und John Patten. 1988 bestritt Doug Willett mit seinem Open-Team 8 Rennen mit insgesamt 21 Läufen, davon 19 zwischen 50 und 60 Meilen (= 80-97 km). Viermal kam das Team als Sieger ins Ziel, ein 2. und zwei 3. Plätze rundeten die wohl erfolgreichste Saison der Willett-Siberians ab.

Anneliese Braun-Witschel, eine der ersten ZüchterInnen und SportlerInnen in Deutschland, begann 1972 mit der Zucht von Siberian Huskies und gründete den ALKA-SHAN Zwinger. 1975 fuhr sie ihr erstes Rennen mit einem 8-Hunde-Team und konnte von Anbeginn zahlreiche Erfolge im Sprintbereich erzielen. Eine Einladung von Doug Willett nach Amerika ermöglichte ihr einen Schnupperwinter im Distanzbereich, wobei sie fortan blieb. Hier lernte sie auch die Qualität der Seppala Siberians kennen und schätzen, von denen sie sagt: "Obwohl ihnen die ausgeprägte ‚körperliche Eleganz‘ der bei uns in Europa erfolgreichen Sprinthunde fehlte, bestachen die guten Vertreter ihrer Rasse durch Ausdauer, Härte und einen bis zur Selbstaufgabe neigenden Zugwillen. Diese Sturheit, sich in die ihnen angeborene Zugwilligkeit hineinzusteigern, macht sie, gepaart mit einer gewissen Selbstsicherheit, nicht unbedingt zu den leichtführigsten Vertretern der Siberian Husky Rasse." Einige Rüden nahm sie mit in ihr Zuchtprogramm: ab 1985 Sno-Sepp’s Ely of Sepp-Alta, 1987 Nutuk of Sepp-Alta und ab 1989 dessen Vater Hercules of Sepp-Alta. Hercules-Nachkommen sind Spitzenhunde sowohl im Distanz- als auch im Sprintbereich. Sie waren unter den Topleadern und Teamdogs während der vielen Siege von Anneliese Braun-Witschel in den USA - u.a. im Empire 130 (2mal), Enduro 100 (2mal) sowie im Elton 80 - und dies meist als einziges reinrassiges SH-Team oder zumindest gegen überwiegende Alaskan-Konkurrenz. Auch in der letzten Saison konnte Anneliese sich selbst bei Sprintrennen in der Offenen Klasse noch gut plazieren (1. Platz in Nesselwängle und Lechtal, 3. Platz in Wallgau).

Nicolai Blümke entdeckte 1984 seine Liebe zum Siberian Husky und entschied sich für die Alka-Shan Zucht. In seinem erfolgreichen 4-Hunde-Sprint-Team laufen bis heute zwei Söhne und ein Enkel von Hercules, der Vierte im Bunde trägt ebenfalls Seppala-Blut, er ist ein Enkel von Sno-Sepp’s Ely of Sepp-Alta. Mit diesem Team konnte er sich bei DSSV-Ranglistenrennen mehrfach unter den Top-Ten placieren (1995: 5. in Längenfeld, 6. in Oberwiesenthal und 7. in Leutasch; 1996: 2. in Schmallenberg und 5. in Oberwiesenthal sowie der 8. Platz in Haidmühle 97 und Oberwiesenthal 98). 5mal gewann er hintereinander den SH-Pokal und 6mal konnte er sich für die DM sowie 5mal für die EM qualifizieren. Seine größten Erfolge waren der 7. Platz in der DSSV-Rangliste 95, der 5. Platz der DM 96, der 15. Platz der EM 96 in Lillehammer und der 10. Platz der WM 97 in Finnland.

Die Seppala-Linie hatte (wie schon erwähnt) einen großen Einfluß auf alle anderen Kennel, somit enthalten auch die sogenannten Nicht-Seppalas ebenfalls einen gewissen Anteil an den 10 Seppala-Gründungshunden. Der entscheidende und damit wichtigste Unterschied im genetischen Grundstock besteht darin, daß sich Nicht-Seppalas alle (mit mindestens einem Anteil von 40%) auf zwei Nicht-Seppala-Rüden - Duke und Tuck - zurückführen lassen. Ein reiner Seppala weist dagegen in seinem Stammbaum 0% an diesen beiden Rüden auf. Tuck war ein nicht registrierter Hund, gezüchtet von Mike Cooney in Faibanks, Alaska und im Besitz von Moseley Taylor (erster Ehemann von Lorna Demidoff, Monadnock Kennel). Duke kam ebenfalls aus Fairbanks und gehörte Leonard Chapman aus New England.

1932 machten Milton und Eva Seeley einen Wurf mit Duke und der Seppala-Hündin Tanta of Alyeska. Hieraus gingen drei bedeutende Hündinnen (Cheeak und Tosca of Alyeska und Sitka of Foxstand) und ein Rüde (Togo of Alyeska) hervor. 30 % aller Linien, die hinter den Nicht-Seppalas stehen, gehen auf diesen einen Wurf zurück! Insbesondere die zwei Hündinnen Cheeak und Tosca of Alyeska spielten eine große Rolle in der frühen Zucht des Alyeska, Wonalancet und Chinook Kennels selbst sowie einem weiteren bedeutenden New England Kennel, den Monadnock Kennel von Lorna Taylor (spätere Lorna Demidoff). Beide Kennel gingen von einer anfangs hauptsächlich auf Racing- zu einer vorwiegend auf Show-Dogs orientierten Zucht über und hatten einen bedeutenden Einfluß auf die meisten Linien von Racing-Siberians (wie z.B. Alaskan/Anadyr und Igloo Pak) sowie einiger Show-Linien.

Unter den ersten, die für Schlittenhunderennen nach Europa kamen, waren Siberians aus dem Alaskan/Anadyr-Kennel (1946 bis heute) von Earl und Natalie Norris, die stets der Zucht von Racing-Siberians treu blieben. Typisch für die Anadyr Zucht ist eine strenge Linienzucht mit Konzentration auf die Rüden, wobei der beste Rüde der gegenwärtigen Generation die kommende gründete. Der wohl bekannteste Rüde der Anadyr-Linie ist Alaskan’s Nicolai of Anadyr II (Nic II). Es wird behauptet, dass er die meisten Nachkommen unter den Siberian Huskies gezeugt hätte. Er lief Single-Lead bis zu seinem 12. Lebensjahr und wurde 14 Jahre alt. Alle Anadyrs sind seit Generationen arbeitsgetestet. Die Linie hatte aber auch Einfluß auf einige Show-Linien, wie z.B. Frostig Aire und Innisfree. 1974 brachte Hans Grün die ersten drei Anadyrs nach Deutschland. Schon viel früher hatte der Holländer Lau van Leuwen bereits ein komplettes Anadyr-Gespann von den Norris aus Alaska importiert. Er war auch einer der Initiatoren des ersten Schlittenhunderennens in Deutschland, das in Latrop im Sauerland stattfand. Vor allem in den 70er und 80er Jahren arbeiteten und lernten viele bekannte Musher bei den Norris. Zu den Iditarodfahrern mit Norris-Hunden gehörte z.B. Martin Buser (1980 und 1981). Auch am diesjährigen Iditarod 2000 nahm unter der Führung von Blake Freking ein 9-Hunde-Team von Natalie Norris teil. (Es erzielte immerhin den 46. Platz von 81 Startern in einer Zeit von: 12 Tagen, 6 Std., 47 Min. und 26 Sek.)

1944 wurde der erste Siberian Husky mit dem Namen Igloo Pak geboren, eine noch von Lorna Demidoff gezüchtete Hündin: Monadnock’s Vicki of Igloo Pak. Luise und Dr. Roland "Doc" Lombard basierten ihre Zuchtlinie auf Alyeska und Seppala Hunden, später (Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre) kamen noch SH’s aus dem Little Alaska (Herold Frendt) und Calivali Kennel (Roland Bowles) hinzu. Seine erste Rennsaison in Alaska (1958) fuhr Roland Lombard mit einem in Bezug auf die dortigen Trail- und Wetterbedingungen vollkommen unvorbereiteten reinem SH-Gespann. Trotzdem wurde er auf Anhieb vierter im Anchorage World Championship und zweiter in der North American Championship. Im folgendem Jahr konnte er die Plazierung im World Championship bestätigen und gewann das North American. Danach fuhr er ein gemischtes Team, vermerkt aber: "Bis in die frühen siebziger Jahre waren mehr als die Hälfte der Hunde meines Gespanns SH. Ich habe achtmal den World Championship und sechsmal die North American gewonnen. Die meisten dieser Titel errang ich in den Jahren, in denen die SH in meinem Gespann überwogen."

Ende der 70er Anfang der 80er wurden einige Igloo Pak’s nach Skandinavien importiert. Igloo Pak‘s Candy-To wurde z.B. der Gründer der Polar Speed Linie von Reijo Jääskeläinen in Finnland. Er gründete seinen Zwinger im Jahre 1980 und baute seine Zucht insgesamt auf die Igloo Pak - Linie auf. Reijo konnte in den letzten Jahren auch in Mitteleuropa mit seinen Siberians beeindruckende Erfolge erzielen, wie z.B.: der 1. Platz beim Scandream ’98 und ’99 sowie den 9. Platz in der Unlimitierten Klasse bei der ESDRA-MD-EM 2000.

Bernhard Schuchert (Porttikoski Zwinger), der sowohl 1998 als auch 2000 an dem 1000 km langen FinnmarkslÝ pet teilnahm, ist bisher der einzige Mitteleuropäer, der dieses Rennen mit eigenen Hunden beenden konnte. Die Wetter und Trailbedingungen sind nach Aussagen von Mushern, die beides gefahren sind, härter als beim Idiarod. Seine Hunde stammen fast alle aus dem Polar Speed Kennel bzw. sind deren Nachzucht, später kamen noch einige aus dem Vargevass Kennel von Carsten Grönas hinzu. Als weitere Erfolge konnte Bernhard Schuchert u.a. verbuchen: FISTEC-EM-Longtrail 4mal in Folge 1. Platz (1991-94), ESDRA-EM-MD 1995: 2. Platz, 4. Platz beim Alpentrail ’98 (8-Hunde-Klasse) und 2. Platz MD-Europacup 2000 (TCE).

Anfang der 60er Jahre startete Harris DunlapZERO Kennel – mit einem Gespann reinrassiger Siberian Huskies, dies waren Hunde von Wheeler, Shearer und McFaul, also durchweg Seppala Siberians. Die beiden wichtigsten Hunde, die Dunlap aus seinen Ursprungshunden züchtete, waren Zero’s Three Spots und Zero’s Rena, die Eltern des berühmten Zero’s Bumper, mit dem Dunlap extrem viel züchtete und somit als Stammvater der Zero-Siberians angesehen wird. Eines von Dunlaps Zuchtprinzipien war: auf Top-Hunde stark inzuzüchten bzw. seinen Typ Hund konsequent durch Inzucht zu fixieren. Bumper ging später an Ole Björkheim nach Norwegen und wurde über 16 Jahre alt. Andere bedeutende Zero‘s gingen nach Schweden, wie die Rüden Dargo und Cider und die Hündin Milky Way. Ingvar de Forest (Snowtrail Kennel) machte mit Cider und Milky Way einen Wurf, aus dem 6 Welpen hervorgingen. Vier davon wurden nach Norwegen verkauft, Svea an Einar Kristen Aas, Zero an Geir Martinsen, Harris an Magnar Aasheim und Freya an Kjetil Hillestad. Dies ist der Beginn einer erfolgreichen Zero-Nachzucht in Norwegen, die hier nicht nur in Sprintrennen erfolgreich gefahren wurden, sondern auch im Distanzbereich. So gewann Stein Havard Fjestad mit einem reinen Zero-Team mehrfach das FinnmarkslÝ pet. Dunlap selbst fand seine Siberians zu langsam und entdeckte Alaska mit seinen schnellen mix-breedings. Ab 1967 begann er seine Zucht dreigleisig anzulegen und züchtete neben reinrassigen Siberian Huskies auch polar-type Alaskans (Alaskans mit nordischem Typ) und hound-type Alaskans (mit Jagdhundblut). 1990 schreibt Dunlap: "Wir haben zur Zeit 159 Hunde, davon sind nur 27 Hunde Siberians mit AKC-Papieren. Wie alle Hunde, die hier stehen, müssen die Siberians die gleichen Qualitäten erreichen, die für uns ein Spitzen-Schlittenhund ausmacht. ... Ich bin am Siberian Husky als ingezüchteter Linie/Rasse interessiert, weil der Siberian Husky für meine Zucht das ist, was das Araber-Pferd für die meisten gegenwärtigen Arbeits-Pferde-Rassen ist. ... Leistungsstarke Siberians sind selten und nur wenige sind am Limit getestet. In der Tat bin ich wohl jetzt der einzige, der einige reinrassige Siberian Huskies in einem offenen Gespann der Spitzenklasse fährt." Bei den Siberians konzentrierte er sich auf die Nachzucht von Zero’s Milky Way II, Zero’s Rory und Zero’s Brew. Diese Hunde liefen alle in Dunlaps North American Championchip Team, zuletzt auch die 1988 geborene Hündin Zero’s Mixer.

Dr. Detlef Oyen (Shaktoolik/Husky Fant Zwinger), dessen Husky-Leidenschaft 1980 begann, setzt auf die Zero-Linie als Basis. Er importierte diese hauptsächlich aus Norwegen, einige auch direkt von Harris Dunlapp, später kam noch der Seppala-Rüde Skoro’s Spook of Sepp-Alta von Doug Willett hinzu. Sein Durchschnittshund hat etwa 50% Zero. "Ich habe eine große Vielfalt in meinem Zwinger, reine Seppalas, Hunde mit Vargevass- und Anadyr-Hintergrund. Ich bin für alles Gute in der Zucht aufgeschlossen." Von der Trainierbarkeit der Seppalas ist er aber anscheinend nicht ganz so angetan, zu der er 1995 vermerkt: "Er (Willett) schreibt nämlich, die Seppalas seien ‚stubborn‘. Das kann man mit ‚blöd‘ oder mit ‚stur‘ übersetzen. In meinen Augen sind sie blöd und stur. ... Ich habe jetzt halbe Seppalas (mit meiner Linie gekreuzt), die zur Zeit Yearlings sind, die treiben mich schier zum Wahnsinn. Die sind wild und wollen laufen, aber es ist unglaublich schwer, denen etwas beizubringen." Als Dunlap 1992 den Schlittenhundesport nach 30 Jahren aufgab, hatte Detlef Oyen das Glück Zero’s Mixer von ihm zu erwerben, von der er sagt: "Mixer war sicher mein teuerster Importhund, aber der Kauf hat sich gelohnt. Sie ist der beste Importhund, der bislang in meinem Zwinger stand bzw. in meinem Team gelaufen ist. Mixer hat die Meßlatte für die eigene Zucht noch höher gelegt. Um so schöner ist es festzustellen, daß unsere selbst gezüchteten Leader durchaus neben ihr laufen können". Die sportliche Karriere von Dr. Detlef Oyen begann mit der Pulka-Klasse, hier wurde er zweimal Europameister und dreimal Deutscher Meister. Ab 1987 fuhr er zum erstenmal ein 6-Hunde-Team, 1990 dann in der A-Kategorie und ein Jahr später in der Offenen-Klasse. 1994 stellte er zum ersten Mal zwei Open-Teams zusammen und konnte sich als einziges reinrassiges Team für die WM und EM qualifizieren. Sensationell war sein Sieg in der 6-Hunde-Klasse auf der DM 95 in Haidmühle, wo er vor Volkmar Stuber, Heinrich Stahl, Roland Kötter und Andrea Wiegand Deutscher Meister wurde. Inzwischen fährt Dr. Detlef Oyen sowohl im Sprint- als auch im Distanzbereich sehr erfolgreich, so z.B. beim Alpentrail 1998 (8. Platz), 1999 (5. Platz) und 2000 (8. Platz) sowie beim Scandream ’98, wo er bester Mitteleuropäer (7. Platz) wurde. Mit seinem Open-Team ist er im reinrassigen Bereich in Sprint (WSA-Europameister 97, WSA-Weltmeister 2000) und in Middle-Distance (WSA-Europameister 99) zur Zeit nicht zu schlagen, aber auch bei den offenen Rennen kann er sich mit auf den vorderen Rängen plazieren (z.B. 2. Platz MD-DM 99 und 5. Platz MD-EM 99 sowie 2000 in Sprint: 1. Platz Antholz, 7.Platz Haidmühle und 12. Platz Bad Mitterndorf).

Auf die Schnelligkeit der Zero-Siberians schwört auch Petra Nölle, die seit 1990 im Sprintbereich äußerst erfolgreich mit ihren Siberian Huskies den Sport betreibt, aber ebenfalls nicht alleinig. Ihre Zucht basierte am Anfang ausschließlich auf Anadyr-Hunden. 1990 kamen Seppala-Hunde aus Canada und 1991 schließlich der erste Zero-Siberian - Zero’s Beer - hinzu. Weitere Hunde aus Zero-Nachzucht folgten. 1994 schreibt sie: " Aus unserer Zucht hebt sich vor allem Bugs ab, ein Seppala-Anadyr-Rüde der Spitzenklasse. Er ist seit 1991 mein Hauptleader. In allen Rennen, in denen Bugs Lead lief habe ich gewonnen. ... Bugs ist mein härtester Arbeiter und selbst bei tiefen Trails geht er immer Volldampf. Er wird mit unseren Zeros die künftige Zucht im Trinity Kennel bestimmen. Die Arbeits- und Willensqualitäten von Bugs mit den Geschwindigkeiten von Daimond und unseren anderen Zeros stellen unser Zuchtziel dar". Was Dr. Detlef Oyen für die Offene Klasse ist, verkörpert Petra Nölle in der 8-Hunde-Klasse. In der letzten Saison 2000 wurde sie im reinrassigen Bereich nicht einmal geschlagen und WSA-Weltmeisterin. Wenn sie mal auf einem offenen Rennen antritt, kann auch sie sich immer vorn mit plazieren, wie 1997: 3. Platz DM Oberwiesenthal, 6. Platz Kirchbach, 7. Platz Wallgau II und 1998: 1. Platz Monte Bondone, 3. Platz Seiseralm.

Standard (FCI-Rassestandard Nr. 270)

Der Siberian Husky ist ein mittelgrosser Arbeitshund (Widerristhöhe Rüden: 53,5 – 60 cm, Hündinnen: 50,5 – 56 cm; Gewicht: Rüden: 20,5 – 28 kg, Hündinnen: 15,5 – 23 kg), schnell, leichtfüssig, frei und elegant in der Bewegung. Sein mässig kompakter, dicht behaarter Körper, die aufrecht stehenden Ohren und die buschige Rute weisen auf die nordische Herkunft hin. Seine charakteristische Gangart ist fliessend und scheinbar mühelos. Er ist (nach wie vor) äußerst fähig, seine ursprüngliche Aufgabe als Schlittenhund zu erfüllen und leichtere Lasten in mässigem Tempo über grosse Entfernungen zu ziehen. Die Proportionen und die Form seines Körpers spiegeln dies grundlegend ausgewogene Verhältnis von Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer wider. Die Rüden sind maskulin, aber niemals grob; die Hündinnen sind feminin, aber ohne Schwächen im Aufbau. Ein Siberian Husky in richtiger Kondition, mit gut entwickelten, straffen Muskeln, hat kein Übergewicht.

Die Augen sind mandelförmig und ein bißchen schräg eingesetzt. Die Augenfarbe ist entweder braun oder blau, wobei ein blaues und ein braunes Auge oder auch zweifarbige (particolored, heterochrome Iris) Augen zugelassen sind. Der Siberian Husky besitzt einen typisch nordischen Doppelmantel; über dichter weicher Unterwolle gut geschlossenes und sich weich anfühlendes Deckhaar. Das Haar ist mittellang, was zu einer dickfelligen Erscheinung führt, aber nie so lang, daß die klar umrissene Kontur des Hundes verwischt wird. Alle Farben, von schwarz bis reinweiß sind zugelassen. Eine Vielzahl von Abzeichen am Kopf ist üblich, davon viele auffallende, die bei anderen Rassen nicht auftreten.

Obwohl im heute gültigen Standard der Siberian Husky (SH) immer noch eindeutig als "Arbeitshund" definiert wird, habe ich auf Ausstellungen viele SHs gesehen, die sicherlich noch niemals in ihrem Leben vor einem Schlitten gearbeitet haben und weit von dem im Standard beschriebenen Merkmalen entfernt sind, aber gerade deshalb zum Ausstellungssieger für diese Rasse wurden. Jedem halbwegs sportlich orientierten Liebhaber dieser Rasse dreht sich beim Anblick solcher SHs der Magen um. Dick, breit, kurzbeinig, schlaff und phlegmatisch, von Athletik keine Spur, dafür aber schön shampooniert und gebürstet. Heutige Racing-Siberians haben derzeit auf Ausstellungen kaum eine Chance Champion zu werden, dabei gleichen diese den Ursprungshunden der Rasse viel mehr, als die meisten der nicht arbeitenden Show-Siberians. Hier wäre unbedingt ein Umdenken bzw. eine Rückbesinnung auf die (immer noch) im Standard festgelegten Werte eines Schlittenhundes bei den Zuchtrichtern von Nöten. Ein Problem dabei ist sicherlich, dass kaum einer der heutigen Zuchtrichter für diese Rasse je selbst auf einen Schlitten gestanden, geschweige denn ernsthaft Schlittenhundesport betrieben hat.

Eigenschaften

Der Siberian Husky ist freundlich, sanft und aufgeschlossen. Würde, Reife und auch ein gewisses Maß an Reserviertheit kennzeichnen den erwachsenen Hund. Er zeigt weder die besitzenden Qualitäten eines Wachhundes noch zeigt er aggressives Verhalten dem Menschen gegenüber. Zum Wach- oder Schutzhund ist er daher nicht befähigt. Auch zum Begleithund eignet er sich kaum.

Aufgrund seiner Eigenständigkeit, seiner Freiheitsliebe und Neugier ("outgoing") sowie seinem besonders stark ausgeprägten Jagdtrieb (den er auch mit außerordentlich gutem Erfolg einzusetzen weiß) ist er nicht leicht zu erziehen. Bei Spaziergängen in Wald und Flur sollte man ihn daher nie von der Leine lassen und die Umzäunung des Gartens bzw. des Zwingers sollte in jedem Fall ausbruchsicher gestaltet sein. Die Erziehung muß von Anfang an ernsthaft und konsequent mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen betrieben werden. Wichtig dabei ist, ein Hund kann nur das lernen, wozu er auch von seinen Wesen her in der Lage ist. Der Siberian Husky wird sich nie bedingungslos unterordnen.

Seinem enormen Bewegungsdrang bzw. Laufhunger kann eigentlich nur im Sport genüge getan werden, sei es nun im Freizeit- oder im Hochleistungssport. Wie alle Schlittenhunde, ist der Siberian Husky vom Ursprung her ein Arbeitshund und als solcher sollte er auch erhalten und eingesetzt werden. Erst der verantwortungsvolle Einsatz im Sport bietet den laufhungrigen Huskies ein artgerechtes Zuhause.

Hat der Siberian Husky als Racing-Dog noch eine Zukunft?

Beginnend in den frühen dreißiger Jahren setzte sich der Siberian Husky im Schlittenhundesport immer mehr durch und ersetzte in den 50igern und frühen 60igern allmählich die populären Mischlinge in den Gespannen erfolgreicher Musher, wohlgemerkt gegen Quebec-Hounds und Greyhound-Mischlinge! In ihrer Glanzzeit (bis 1968) dominierten die SHs alle anderen "Rassen". Der Trend hat sich nun total umgekehrt und zur Zeit sind nur noch sehr wenige SHs in Weltklasse-Teams zu finden. Das faszinierende Erscheinungsbild des Siberian Husky wurde ihm zum Verhängnis. Denn das genetische Reservoir der Fellfarben und –muster bot ein weites Feld für die Zucht attraktiv aussehender Hunde und führte innerhalb kurzer Zeit zu einer Umorientierung der Zucht vom "Arbeitshund" zum "Vorzeigehund mit Schlittenhundeahnen", dem sogenannten Show-Dog. Die schönen Exoten mit der wilden Vergangenheit beherrschten nun die Ausstellungen anstelle der Rennen und fanden sowohl Publikum als auch Käufer. Mit der nahezu ausschließlich auf äußerliche Merkmale beruhenden Zuchtauswahl verschwanden so in den folgenden Jahren fast unbemerkt viele Eigenschaften, die den Schlittenhund ausmachen. Dr. R. Lombard bemerkte hierzu sehr treffend: "Eine der wichtigsten Eigenschaften eines guten Schlittenhundes kann man nicht sehen, nicht fühlen und nicht messen. Ohne sie jedoch verliert der Hund seinen Wert und den Bezug zu seiner Herkunft. Diese Eigenschaft heißt Leistungsbereitschaft oder Härte und buchstabiert sich MUMM. Unglücklicherweise läßt sich diese Eigenschaft eines Hundes oder einer Linie nur im Feuer großer Rennen testen. ... Unglücklicherweise braucht man auch nur sehr wenige Generationen auf diese Selektion zu verzichten, damit diese Eigenschaft verloren geht." Erst Mitte der 80er gab es in den USA vom Siberian Husky Club of America unterstützte Bestrebungen, gemachte Fehler zu korrigieren. So wurde an den Ausstellungen eine spezielle "Sled Dog Class" kreiert um auch Siberian Huskies vom "Arbeitstyp" wieder Siegerchancen zu geben und in einem "Siberian Husky Performance Evaluation Project", kurz "SEPP" genannt, versucht man Spitzenarbeitstiere wieder systematisch für die Zucht der Rasse zu erfassen.

Leider wurden in Mitteleuropa dieselben Fehler in ähnlicher Weise wiederholt. Der Siberian Husky wird inzwischen auch hier in zunehmenden Maße von Leuten gehalten, die in ihm nur ein Schmuckstück sehen mit dem man auf der Straße auffällt oder etwas Trapperromantik in der Großstadt erleben will, aber nie im Leben daran denken, mit ihm ernsthaft Schlittenhundesport zu betreiben. Diese Entwicklung wurde von vielen sportlich interessierten Liebhabern und Züchtern des schnellsten registrierten Schlittenhundes als unbefriedigend empfunden und führte in Deutschland 1991 unter der Federführung von Dr. Dieter Dolif schließlich zur Gründung des Siberian Husky Club Deutschland e.V. (SHC). Dieser ist zur Zeit der einzige Zuchtverein weltweit, der für die Zuchtzulassung des Siberian Husky einen Arbeitsnachweis fordert. Dass der SHC auf dem richtigen Weg ist, zeigen seine zur Zeit über 350 Mitglieder, unter denen sich fast alle erfolgreichen deutschen Schlittenhundesportler befinden.

Obwohl ich mich am meisten zum Siberian Husky hingezogen fühle, bewundere ich doch jeden Hund der seine Arbeit vor dem Schlitten mit Freude tut. Die Zucht der Alaskans und Hounds hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und Top-Schlittenhunde hervorgebracht. Es ist ein Erlebnis diese Hunde laufen zu sehen, ihre enorme Geschwindigkeit, Kraft und Athletik sowie auch ihr ausgeprägter Arbeitswille und die besondere Lauffreude. So habe ich auf den EM 1994-98 und der WM 97 Open-Teams gesehen die selbst am dritten Renntag noch so schnell und freudig ins Ziel kamen, wie sie am ersten Tag aus dem Start gegangen waren. Was dort von einigen SH-Teams (zumeist schlecht trainiert und überfettet) geboten wurde, war dagegen ein Trauerspiel. Insbesondere die Hunde von Egil Ellis (Schweden) und Hege Ingebrigtsen (Norwegen) haben mich sehr beeindruckt.

Der Siberian Husky ist sicherlich nicht das Non-Plus-Ultra im Schlittenhundesport, vor allem nicht im Sprintbereich. Die Rassehundezucht hat immer seine vom Standard vorgegebenen Grenzen. Hier hat mix-breeding ganz andere Möglichkeiten. Jeder Typ von Schlittenhund hat seine Vor- und auch seine Nachteile. Daher sollte sich jeder den Hund aussuchen, der ihm liegt und der zu seinen Vorstellungen paßt. Beim Siberianmusher überwiegt ganz klar die Liebe zu einer Rasse, die Tausende von Jahre alt ist und einst Schlittenhundegeschichte geschrieben hat. Aber auch in Bezug auf ihre heutigen Leistungen im Schlittenhundesport brauchen sie sich nicht zu verstecken. In den letzten Jahren hat in Deutschland die Zahl an wirklich guten und leistungsorientierten Siberian Husky Teams bedeutend zugenommen und die Erfolge der zuvor aufgeführten Top-Teams zeigen, dass es überhaupt keinen Grund dafür gibt, sich mit Siberians aus dem Welt-Schlittenhundesport auszugrenzen.

Als Wolfsfan und Hundenarr mag ich natürlich (fast) alle Hunde, aber für mich persönlich ist der Siberian Husky einfach der schönste Hund schlechthin, nicht nur wegen seines noch relativ ursprünglichen und attraktiven Aussehens, sondern auch gerade aufgrund seines noch recht natürlichen und wilden Charakters. Dafür nehme ich auch gern die schwierigere Haltung und das anstrengendere Handling dieser Hunde in Kauf. Ich liebe die Natur, den Winter, die Kälte und den Schnee und hierzu paßt für mich naturgemäß nur ein Schlittenhund mit nordischem Aussehen. Mit meiner ausgeprägten Zuneigung zu dieser Rasse bin ich nicht allein, wie die vielen Siberianmusher zeigen. Nach wie vor gibt es in Deutschland im aktiven Schlittenhundesport weitaus mehr Musher die mit Siberians als mit Mischlingen oder rassereinen Jagdhunden fahren. Darüber sollten diejenigen, die immer noch aus dummer Intoleranz die Siberianmusher verspotten, mal nachdenken.

Literatur:

Douglas W. Willett: The Seppala Siberian (1986)

Dr. Detlef Oyen: Die Zero Story (1996)

 

Wie alt wird eigentlich der Siberian Husky?

- von Gabriele Blümke -
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Immer noch wird unter einigen Mushern und auch einigen Züchtern das Gerücht verbreitet, daß die Lebenserwartung des Siberian Husky nicht so hoch sei wie bei den anderen Haushunderassen. Häufig wird ein Durchschnittsalter von 10 Jahren genannt. Fragt man nach den Ursachen, so erhält man vielfältige Antworten, wie: der Siberian Husky sei eben eine noch relativ ursprüngliche Rasse und "natürliche Rassen" werden halt nicht so alt wie hoch domestizierte Rassen oder Arbeitshunde haben im allgemeinen immer eine niedrigere Lebenserwartung.

Als (1994) unser "Erster" sein 10. Lebensjahr erreichte, wurde ich folglich ganz unruhig und bereitete mich allmählich psychisch auf die schmerzliche Tatsache vor, daß er uns demnächst verlassen könnte. Ich machte mir ständig Sorgen, wenn es ihm mal nicht so gut ging oder er sich etwas anders verhielt als sonst. Nach 2 Jahren gab ich dann schließlich das ewige Bangen auf und ließ es einfach auf mich zukommen. Er wurde, wie auch unser "Zweiter", 14 Jahre alt und unsere Hündin hat inzwischen auch schon ein Lebensalter von 14 1/2 Jahren erreicht.

Ich wollte es nun aber genau wissen: wie alt wird denn nun wirklich der Siberian Husky? Hierzu habe ich die mir vorliegenden Clubnachrichten des DCNH (Deutscher Club für Nordische Hunde e.V.) vorgenommen und die Meldungen der verstorbenen Siberian Huskies ausgewertet (DCNH-CN Nr. 2/1996 – 3/1998 und später auch Nr. 3/2000 - 4/2001).

In diesen Ausgaben wurden insgesamt 206 Siberian Huskies (SH's) als verstorben gemeldet (Zeitraum März 1996 bis Mai 1998 und Mai 2000 bis Juli 2001).

Diejenigen, die infolge unnatürlicher Ursachen oder an außergewöhnlichen Krankheiten verstarben sowie alle, die nicht einmal das 6. Lebensjahr erreichten, habe ich hinsichtlich meiner Fragestellung erst einmal aussortiert. Dies war bei insgesamt 46 (22%) der als verstorben gemeldeten SH’s der Fall. Genannte Todesursachen waren hier u.a. Epilepsie (4 SH's), Krebs bei unter 6jährigen (2 SH's), Parvovirose (1 SH), Staupe (1 SH), Magendrehung (1 SH), Autoimmunerkrankung (1 SH) aber auch Komplikationen nach operativen Eingriffen (4 SH's!). Hierbei handelt es sich meist um Narkosefehler, da der Siberian Husky sehr sensibel auf Narkotika reagiert. Traurig auch, daß immer noch relativ viele SH‘s (11 %!) durch die Fahrlässigkeit ihrer Besitzer verunglücken. So verstarben 10 SH’s aufgrund eines Verkehrsunfalls, 7 an den Folgen einer Beißerei, 4 an Vergiftung und 1 aufgrund eines Trainingsunfalls.

Die restlichen 160 als verstorben gemeldeten Siberian Huskies, wurden im Durchschnitt 12 Jahre alt, sowohl die 80 Rüden als auch die 80 Hündinnen. Die Mehrzahl (81%) erreichte ein Alter zwischen 10 und 15 Jahren. Genau die Hälfte (50%) wurde zwischen 12 und 14 Jahre alt (!) und die häufigste Lebenserwartung lag bei 13 Jahren (siehe Abbildung unten). Der älteste Siberian Husky (eine Hündin) erreichte ein Lebensalter von 17 Jahren (mir wurde sogar von einem Rüden berichtet, der 18 Jahre alt geworden ist).

Als Sterbeursache wurden die typischen Alterserscheinungen genannt, wie:

  • Geschwülste/Tumore/Krebs in/an inneren Organen und an der Wirbelsäule
  • Allgemeine Altersschwäche (z. T. mit Blind- und Taubheit)
  • Magen- und Leberleiden (Leber-Insuffizienz, Leberzirrhose)
  • Nierenversagen (Nieren-Insuffizienz, Schrumpfniere)
  • Ausgeprägte Stoffwechselprobleme
  • Herz- und Kreislaufprobleme (Kreislauf-Zusammenbruch, Kreislauf-Insuffizienz, Herzversagen)
  • Schlaganfall mit Lähmung, Gehirnschlag
  • Starke Beeinträchtigungen des Bewegungsapperates durch schmerzhafte Arthrosen und Bandscheibendegeneration (fortgeschrittene Gelenksentzündungen, starke Polyarthrose, progressive Lähmung der Hinterhand, Vor- und Hinterhandlähmung, Wirbelsäulenlähmung)

Fazit:

Die Lebenserwartung des Siberian Husky ist somit genauso hoch wie die der anderen mittelgroßen Hunderassen. Wie alt letztendlich ein Hund wird, hängt natürlich entscheidend von der Haltung - wie Pflege, Gesundheitsvorsorge und Ernährung - ab. Ein schlecht ernährter und/oder gehaltener Hund wird sicherlich kein hohes Lebensalter erreichen. Andererseits kann aber auch ein bestens versorgter Hund unter dem Durchschnittsalter bleiben, hierbei spielt im wesentlichen die Veranlagung (Genetische Disposition) und der Inzuchtgrad bestimmter Zuchtlinien eine Rolle